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Die Schweiz ist das Land der Schoggi, der Uhren und einer legendären Ruhe. Für uns Töffahrer ist sie jedoch vor allem der ultimative Spielplatz, wo jede Strecke wie geschaffen scheint, um die Lust an der Kurve zu zelebrieren. Hätte die Strassenperfektion eine Postleitzahl, läge sie wohl irgendwo zwischen einem Alpenpass und einem jurassischen Tal. Doch mit dem Herannahen von Ostern und der Abfolge der langen Frühlingswochenenden erfordert die Versuchung, die Maschine für die erste Ausfahrt zu satteln, eine gewisse Vorbereitung. Während das Flachland bereits grünt, spielen die Gipfel oft noch Winterverlängerung, und das Alpenwetter spielt den Ungeduldigen zwischen zwei Schoggieiern gerne mal einen Streich. Zwischen Kühen, die ihr angestammtes Vorbeifahrtsrecht behalten, und präzisen Verkehrsregeln lässt sich das Fahren in der Schweiz nicht improvisieren: Dieser Guide ist Ihr Fahrplan, um die Saison ohne böse Überraschungen zu geniessen.
Wenn Sie in Ihrem Leben als Töffahrer in der Schweiz nur eine Tour machen müssten, dann diese. Dieses Passtrio bildet eine perfekte Runde. Es ist der „Grand Slam“ für fast schleifende Knieschleifer und begeisterte Augen.
Der Susten gilt oft als der schönste Pass der Alpen. Im Gegensatz zu alten Saumwegen wurde der Susten für den modernen Tourismus entworfen: weite Kurven, kaiserliche Sicht und ein Asphalt wie ein Billardtisch. Es ist der Pass, an dem man neu entdeckt, warum man es liebt, eine Maschine in die Kurve zu legen. Doch auf über 2200 Metern kann die Luft selbst im Juli beissen. Da merkt man, dass eine gute Motorradjacke mit technischer Membran kein Luxus ist, sondern eine Notwendigkeit, um dem Windchill entgegenzuwirken.
Die Furka, berühmt durch ihre Filmauftritte, ist wilder. Sie bietet einen steilen Blick auf den Rhonegletscher, während der Grimsel mit seinen Granitlandschaften und gewaltigen Stauseen beeindruckt. Auf diesen Strassen ändert sich die Psychologie des Fahrers: Man wechselt von Euphorie zu absoluter Konzentration. Die Abfahrt vom Grimsel mit ihren engen Kehren ist ein Test für Geduld und Präzision.
Dieser Pass verbindet Martigny im Wallis mit dem Aostatal in Italien und ist eine lebende Legende. Die Ankunft auf dem Gipfel auf 2469 Metern ist immer ein Moment des Innehaltens. Der See, der oft bis Juni gefroren ist, spiegelt das jahrtausendealte Hospiz wider.
Bei diesem Aufstieg ist das Wetter Ihr grösster Feind. In weniger als 30 Minuten kann man von strahlender Sonne im Rhonetal in gefrierenden Nebel auf dem Gipfel geraten. Um den „Sauna-dann-Gefrierschrank“-Effekt zu vermeiden, tragen erfahrene Fahrer hochwertige Funktionsunterwäsche. Sie transportiert die Feuchtigkeit ab, wenn man in den Kehren schwitzt, und hält die Körperwärme bei Pausen auf dem Gipfel.
Nach der Passhöhe lädt die Abfahrt auf der italienischen Seite dazu ein, das Kinnteil Ihres Klapphelms zu öffnen, um die Düfte des Tals einzuatmen. Es ist der Moment, in dem die Psychologie des Reisenden über die des reinen Fahrers siegt: Man geniesst den Übergang zwischen Schweizer Strenge und italienischer Sanftheit.
Die Tremola ist die alte Gotthardpass-Strasse, ein nationales Denkmal. Ihr oberer Teil ist komplett gepflastert. Es ist ein Meisterwerk, das sich in 24 engen Kurven übereinanderstapelt. Vergessen Sie Ihre gewohnten Linien; hier geht es darum, mit den Vibrationen umzugehen und Grip zu finden.
Ihre Füsse leisten Schwerstarbeit, um den Töff in diesen gepflasterten Kehren zu stabilisieren. Da schätzt man den Schutz und die Struktur guter Touring-Motorradstiefel. Sie müssen stabil genug sein, um Ihre Knöchel vor den Schlägen zu schützen, und gleichzeitig flexibel genug, um ohne Schmerzen zum Aussichtspunkt zu gehen.
Verlassen wir die Alpen in Richtung Jura. Der Creux du Van ist ein spektakulärer natürlicher Felszirkus. Die Zufahrtsstrassen schlängeln sich durch Tannenwälder. Es ist ein anderes Fahren: weniger Höhe, aber mehr Rhythmus und „blinde“ Kurven. Der Asphalt im Jura ist oft feuchter und wechselhafter als in den Zentralalpen.
Für dieses Gelände ist eine technische Motorradhose die ideale Ausrüstung. Sie bietet die nötige Abriebfestigkeit für kurvige Strecken und ist gleichzeitig leicht genug, um die Tour bei längeren Stopps nicht zur thermischen Qual zu machen.
Viele Töffahrer sehen Pausen als Zeitverschwendung. Das ist ein Fehler. In den Bergen setzt die nervliche Ermüdung weit vor der körperlichen ein. Die Abfolge der Kurven sättigt Ihr Gehirn mit Informationen.
Bei diesen Frühlingspausen ist der Komfort Ihrer Hände entscheidend. In dieser Übergangszeit verhindern gut belüftete Sommer-Motorradhandschuhe das Schwitzen in sonnigen Tälern und bewahren Ihr Feingefühl.
Das ist der entscheidende Punkt, bevor man die Koffer für Ostern oder Auffahrt packt. In der Schweiz unterliegen die meisten grossen Pässe einer strengen Wintersperre.
In den Bergen zu fahren bedeutet, mit dem Unvorhersehbaren umzugehen. Hier sind drei goldene Regeln:
Ihr Töff fährt dorthin, wo Sie hinschauen. In einer engen Kehre schauen Sie nicht auf die Leitplanke, sondern suchen den Kurvenausgang so weit wie möglich über Ihre Schulter für eine flüssige Linie.
Nutzen Sie massiv die Motorbremse, um ein Überhitzen der Bremsflüssigkeit zu vermeiden. Schalten Sie runter und sparen Sie die Bremsen für die Einfahrt in enge Kurven auf.
Das gelbe Postauto ist der König der Berge. Wenn es in engen Kurven hupt, hat es absoluten Vortritt. Fahren Sie an den Rand und warten Sie, bis es vorbei ist.
Nachdem Sie Ihre Ostereier gefunden haben, bleibt die spannendste Suche dieses Frühlings die nach der perfekten Kurve. Ob Sie die April-Feiertage oder ein langes Wochenende im Mai nutzen, die Schweiz geniesst man mit einer Mischung aus Respekt und Vorfreude. Die Berge sind ein grosszügiger Lehrmeister für diejenigen, die zuzuhören und sich vorzubereiten wissen. Prüfen Sie vor der Abfahrt die Passöffnungen, rüsten Sie sich sorgfältig aus und vergessen Sie vor allem nicht, den Blick vom Lenker zu heben, um das grandiose Panorama zu bewundern. Gute Fahrt an alle, und vielleicht sieht man sich auf einer Passhöhe auf ein Stück Schoggi!
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