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Die Kunst (und Weise), Ihren Helm zu pflegen: Der ultimative Experten-Guide

Abgesehen von der Maschine ist die Ausrüstung die natürliche Verlängerung des Motorradfahrers. Und wenn es ein Herzstück in Ihrer Ausrüstung gibt, dann ist es Ihr Motorradhelm. Als wahrer Wächter Ihrer Sicherheit ist er der einzige Gegenstand, der Ihr wertvolles Gehirn schützt, während er klaglos die schlimmsten Hitzewellen übersteht. Man könnte sogar sagen, dass man einen Motorradfahrer nicht an seiner Maschine erkennt, sondern am Zustand seines Visiers...

Aus technischer Sicht ist ein Helm nicht einfach nur ein "Topf" aus Kunststoff. Er ist ein komplexes Technologiepaket: eine Aussenschale aus ABS, Polycarbonat oder Kohlefaser (Carbon), kombiniert mit einer Innenschale aus EPS (expandiertem Polystyrol) mit variabler Dichte. Diese Materialmischung ist darauf ausgelegt, Stösse durch Verformung zu absorbieren.

Warum sollte man ihn sorgfältig pflegen? Es ist ein dreifacher Gewinn. Erstens für Ihre Sicherheit, denn perfekte Sicht und eine zuverlässige Mechanik retten Leben. Zweitens für Ihre Hygiene, um zu verhindern, dass Ihre Ausrüstung zu einem Bakterienherd wird. Und schliesslich ist es eine kluge Rechnung für Ihr Budget: Eine gründliche Pflege ermöglicht es, Ihre Degriffbike-Investition über viele Jahre hinweg zu erhalten, ohne an Komfort einzubüssen.

Anatomie und Vielfalt: Für jeden Helm die richtige Behandlung

Bevor wir die Putzlappen herausholen, identifizieren wir Ihren Begleiter. Jedes Modell hat seine eigenen Schwachstellen.

Die Helmfamilien im Test

  • Der Integralhelm: Er ist der Tresor unter den Motorradfahrern. Sein kritischer Punkt sind die Dichtungen rund um das Visier.
    Die Technik: Mit der Zeit setzen sich Sand und Schmutz in den Dichtungslippen fest. Verwenden Sie ein mit lauwarmem Wasser befeuchtetes Wattestäbchen, um die gesamte Rille zu reinigen. Sobald sie sauber ist, tragen Sie einen Tropfen Silikonfett auf die Dichtung auf, damit sie geschmeidig bleibt und das Visier perfekt abdichtet. Dies eliminiert störende Windgeräusche bei hohen Geschwindigkeiten.
  • Der Modularer Helm: Präzisionsmechanik in Bestform. Hier benötigen die Drehpunkte und die Verriegelungshaken des Kinnteils Ihre Aufmerksamkeit.
    Die Technik: Öffnen Sie den Helm halb, um an die Scharniere zu gelangen. Benutzen Sie eine weiche Zahnbürste, um Staub aus den Federn zu entfernen. Wenn der Mechanismus schwergängig wird, bevorzugen Sie ein Spray mit Trockensilikon. Betätigen Sie das Kinnteil mehrmals, um das Produkt gut in den inneren Gelenken zu verteilen.
  • Der Jet-Helm und der Cross-Helm: Sie stehen an vorderster Front gegen äussere Einflüsse. Beim Cross-Helm setzt sich getrockneter Schlamm unter dem Schirm (Peak) und in den Befestigungsschrauben fest.
    Die Technik: Demontieren Sie nicht sofort alles! Sprühen Sie zuerst lauwarmes Wasser auf, um den Dreck aufzuweichen. Sobald der Schlamm weggespült ist, lösen Sie die Befestigungen des Schirms. Reinigen Sie die Gewinde mit einem weichen Tuch. Bei Jet-Helmen sollten Sie besonders auf die Führungsschienen des ausklappbaren Sonnenvisiers achten: Blasen Sie mit Druckluft (Druckluftspray) in den Schlitz, um Staubpartikel zu entfernen.

Der Krieg der Oberflächen: Matt oder Glänzend?

Die ästhetische Wahl bestimmt Ihre Methode der Reinigung. Bei einem glänzenden Helm geht es darum, "Swirls" zu vermeiden – jene kreisförmigen Mikrokratzer, die den Lack stumpf machen. Bei einem matten Helm ist es eine ganz andere Geschichte. Diese Oberfläche ist porös: Verwenden Sie niemals Polituren oder Wachse! Sie würden dauerhafte glänzende Flecken verursachen. Wir empfehlen einen speziellen Reiniger für matte Oberflächen, um diesen besonderen samtigen Look zu bewahren.

Das Äussere: Die Karosserie Ihres Gehirns

Die Aussenschale ist der Witterung, der Verschmutzung und Insekten ausgesetzt. Ob aus Polycarbonat oder Fiberglas, sie verträgt keine aggressiven Produkte. Lösungsmittel können die chemische Struktur des Kunststoffs verändern und ihn brüchig machen.

Der "Pflaster-Trick" für den Insektenfriedhof

Nach einer Sommertour sieht Ihr Helm oft wie ein Schlachtfeld für Insekten aus. Kratzen Sie niemals im trockenen Zustand! Sie würden den Lack zerkratzen. Der Trick: Nehmen Sie ein sauberes Mikrofasertuch, tränken Sie es mit lauwarmem Wasser, legen Sie es auf die verschmutzten Stellen und lassen Sie es 10 Minuten einwirken. Dieses "Pflaster" weicht die Rückstände auf, die sich dann ohne Kraftaufwand und ohne Schaden mit einem Wisch entfernen lassen.

Die Belüftungen: Die Lunge des Motorradfahrers

Sie befinden sich überall: an der Stirn, am Kinn oder am Hinterkopf. Mit der Zeit setzen sich Staub und Dreck fest und reduzieren den Luftstrom. Nutzen Sie ein Wattestäbchen oder einen sanften Strahl Druckluft, um diese Kanäle freizumachen. Das ist das Geheimnis, um bei grosser Hitze Erstickungsgefahr und Beschlagen zu vermeiden.

Empfohlenes Produkt: Verwenden Sie immer einen speziellen Mehrflächen-Reinigungsspray für Motorräder, der Lacke und empfindliche Kunststoffe schont.

Visier und Pinlock: Für absolute Klarheit

Sicht ist keine Option, sie ist Ihr wichtigster Schutz für die Sicherheit. Ein zerkratztes oder schmutziges Visier streut nachts das Licht der Scheinwerfer und ermüdet die Augen extrem.

Demontage und Reinigung der Visiermechanik

Bei den meisten Helmen lässt sich das Visier werkzeuglos demontieren. Nutzen Sie die Gelegenheit, um die seitlichen Mechanismen zu reinigen. Staub vermischt sich dort oft mit dem Originalfett und bildet eine schmirgelnde Paste, die das Öffnen des Helms erschwert.

Technischer Fokus: Was ist Pinlock?

Das Pinlock ist diese kleine, flexible Linse, die auf der Innenseite Ihres Visiers eingeklipst ist. Sie wirkt wie eine Doppelverglasung dank einer Silikondichtung und verhindert so das Beschlagen. Achtung: Dies ist das empfindlichste Teil Ihrer Ausrüstung. Das Material ist hydrophil (feuchtigkeitsabsorbierend) und verkratzt sehr leicht. Verwenden Sie niemals Chemikalien, sondern nur lauwarmes Wasser falls nötig, und berühren Sie es nie mit fettigen Fingern. Falls es dennoch beschlägt, wissen Sie, dass die Haltebolzen drehbar sind: Sie können sie drehen, um die Spannung der Linse zu erhöhen.

Vergessen Sie nicht das innere Sonnenvisier! Man übersieht es oft, da es geschützt ist, aber es sammelt mit der Zeit einen feinen Fettfilm an. Fahren Sie es ganz aus, um es mit einem Mikrofasertuch zu reinigen, damit störende Reflexionen bei Gegenlicht vermieden werden.

Tipp: Tragen Sie einen Regenabweiser-Spray auf die Aussenseite Ihres Hauptvisiers auf. Im Winter perlt das Wasser von selbst ab, sodass Sie nicht mit Ihrem (oft schmutzigen) Handschuh während der Fahrt über das Visier wischen müssen.

Innenhygiene: Wellness für die Polster

Im Inneren Ihres Helms lebt eine unsichtbare Welt. Schweiss, Hautfett und Staub sammeln sich in den hypoallergenen Stoffen an. Dies kann Hautirritationen verursachen und langfristig greift das Salz im Schweiss das innere EPS an.

Demontage und das grosse Bad

Suchen Sie die Druckknöpfe und Kunststofflaschen, die das Innenfutter und die Wangenpolster halten. Gehen Sie behutsam vor, um die Befestigungen nicht zu beschädigen.

  • Maschinenwäsche: Das ist möglich! Verwenden Sie ein Wäschenetz, um zu verhindern, dass die Kunststoffteile gegen die Trommel schlagen. Wählen Sie einen Schonwaschgang oder "Kaltwäsche" (maximal 30°C) und verwenden Sie auf keinen Fall Weichspüler.
  • Handwäsche: Die Königsklasse. Tauchen Sie die Polster in eine Schüssel mit lauwarmem Wasser und etwas Babyshampoo oder neutraler Seife. Drücken Sie sie sanft aus, ohne sie zu wringen.

Der entscheidende Schritt: Das Trocknen

Hier ist Geduld gefragt. Verbannen Sie Haartrockner und Heizkörper! Übermässige Hitze kann die Kunststoffstrukturen verformen oder Klebstoffe lösen. Lassen Sie die Polster an der Luft trocknen, idealerweise an einem gut belüfteten Ort für 24 bis 48 Stunden. Ein Helm, der im feuchten Zustand zusammengebaut wird, fängt sehr schnell an, unangenehm nach Muff zu riechen.

Empfohlenes Produkt: Zwischen zwei kompletten Wäschen können Sie einen desinfizierenden Reinigungsschaum ohne Ausspülen verwenden. Er erfrischt das Innere sofort und vernichtet Bakterien.

Die "unsichtbare" Wartung: Details, die den Unterschied machen

Damit Ihr Helm so leise bleibt wie am ersten Tag, muss man sich um das kümmern, was man nicht sieht.

Die Gummidichtungen rund um die Visieröffnung neigen dazu, durch UV-Strahlung auszutrocknen und rissig zu werden. Tragen Sie eine kleine Menge Silikonfett auf ein Wattestäbchen auf und fahren Sie damit über alle Dichtungen. Das hält sie geschmeidig und garantiert eine perfekte Abdichtung.

Überprüfen Sie auch Ihr Verschlusssystem. Egal ob Doppel-D oder Ratschenverschluss, ein Sandkorn kann ausreichen, um die Verriegelung zu behindern. Ein kurzer Einsatz mit einer trockenen Zahnbürste löst das Problem meistens.

Falls Sie ein Intercom-System besitzen, prüfen Sie die Anschlüsse. Schützen Sie beim Reinigen des Innenraums die Lautsprecher mit einer kleinen Plastikfolie oder entfernen Sie sie, falls das System es zulässt.

Die Werkzeugkiste: Richtig oder Falsch

Zusammenfassend ist hier Ihr Überlebens-Kit für die Langlebigkeit Ihrer Ausrüstung.

Die Helden Ihrer Pflege (Zu bevorzugen)

  • Hochwertige Mikrofasertücher: Sparen Sie nicht am Vorrat. Sie brauchen eines für die feuchte Reinigung, eines zum Trocknen und eines speziell für die Visiere. Sie fangen Staub auf, ohne Reibung zu erzeugen.
  • Lauwarmes Wasser und neutrale Seife: Die einfachste Kombination ist die beste. Kernseife oder Babyshampoo schonen die UV-Schutzbeschichtungen der Schale und die Weichheit der Polster.
  • Silikonfett: Das Geheimnis für geräuschlose Gelenke und Dichtungen, die nicht lecken.
  • Geduld: Das ist Ihr bestes Werkzeug. Ein Visier unter einem feuchten Tuch einweichen zu lassen, ist tausendmal effektiver als kräftiges Schrubben.

Die Bösewichte in Ihrer Garage (Unbedingt vermeiden)

  • Alkohol und Glasreiniger: Sie sind die Erzfeinde von Polycarbonat. Alkohol trocknet den Kunststoff aus und begünstigt Mikrorisse, welche die Struktur des Helms schwächen.
  • Die grüne Seite des Schwamms: Das ultimative Verbrechen. Auch wenn ein Teerfleck hartnäckig ist, geben Sie niemals der Versuchung nach, Scheuermittel zu verwenden. Die Kratzer wären dauerhaft.
  • Benzin und industrielle Lösungsmittel: Sie greifen die Klebstoffe an, die Ihre EPS-Schale halten, und können Lackierungen buchstäblich "schmelzen".
  • Trockenes Haushaltspapier: Man vergisst es oft, aber Haushaltspapier besteht aus Holzfasern. Trocken auf dem Visier verwendet, wirkt es wie ultra-feines Schleifpapier und macht es mit der Zeit blind.

Lagerung und Ende der Lebensdauer: Wissen, wann man Abschied nimmt

Die Lagerung ist der letzte Schritt der Pflege. Vermeiden Sie es, Ihren Helm auf den Rückspiegel Ihres Motorrads zu hängen: Die Kugel des Spiegels drückt das innere EPS lokal zusammen und verringert so die Schutzwirkung bei einem Aufprall an dieser Stelle. Nutzen Sie immer Ihren atmungsaktiven Helmbeutel, um ihn vor Staub und direktem Sonnenlicht zu schützen.

Seien Sie ehrlich zu Ihrer Ausrüstung. Die 5-Jahres-Regel ist kein Marketing-Mythos: Danach oxidieren Polystyrol und Klebstoffe und verlieren ihre Wirksamkeit. Und denken Sie daran, dass ein Helm nach einem Aufprall ein Einwegartikel ist. Wenn er aus Kopfhöhe auf harten Boden fällt, kann die Struktur beschädigt sein, ohne dass dies mit dem blossen Auge sichtbar ist.

Fazit: Bereit für die nächste Fahrt

Seinen Helm zu pflegen bedeutet, den eigenen Fahrspass zu respektieren. Eine saubere, hygienische und funktionstüchtige Ausrüstung macht jede Fahrt zu einem sichereren und komfortableren Erlebnis. Wenn Sie diesem Guide folgen, sichern Sie die Langlebigkeit Ihres Materials und garantieren Ihre optimale Sicherheit.

Nehmen Sie sich jeden Monat ein paar Minuten Zeit, um Ihren Begleiter zu inspizieren und zu reinigen. Ihr Komfort wird es Ihnen bei der nächsten Ausfahrt danken – und Ihr Budget langfristig ebenso. Gute Fahrt an alle, mit leichtem Kopf und klarem Visier!

Geschrieben in: Home, Actualités

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